Ulrike Enders

 
 


Ulrike Enders, Bildhauerin, geboren im Dezember 1944 in Oberstdorf im Allgäu, hat nach ihrem Abitur im Jahre 1964 zunächst an der Kunstakademie in München und von 1965 - 1970 an der Hochschule für Bildende Künste (HdK), Berlin, studiert:


’Ich habe als Kunststudentin erst mit Bildhauerei angefangen, als in der Berliner Hochschule eine Kunststoffwerkstatt eingerichtet wurde. Das war in verschiedenen Hinsichten eine Befreiung.


Ein neues Material provoziert keine Vergleiche mit der Kunstgeschichte. Es gibt für Polyesterplastiken fast keine Größenbeschränkung durch die Kosten oder die Transportprobleme. Es gibt keine Festlegung der Farbe, der Durchsichtigkeit oder der Oberflächenstruktur. Andere Materialien wie z. B. Stoff, Zeitung, Schmetterlinge, Spitzdeckchen zwischen den Polyesterschichten können eine direkte Verbindung mit der Realität herstellen, und das alles auch als Multiples.


Zum Beispiel habe ich auch Plastiken modelliert, die als Sitzmöbel funktionieren. Das ist fast nur in Polyester denkbar: leicht, glatt, etwas elastisch. Man setzt sich etwa der mütterlichen Figur auf den Schoß, wo man wirklich bequem sitzt, und kann auf diese Weise eine Beziehung zu der Plastik bekommen, schon bevor man sie als Kunst betrachtet.


Für mich als Bildhauerin ist die gute Form das Wichtigste. Jede Stelle einer Plastik muss die Spannung halten. Der Gegensatz zwischen differenzierten Formen und klaren Flächen soll das Auge anziehen und beschäftigen und dadurch die Aufmerksamkeit auch auf den dargestellten Ausschnitt der Wirklichkeit lenken.


Deswegen ist die alltägliche Realität mein Thema, das allzu Gewohnte, Selbstverständliche, über das keiner mehr nachdenkt, die Konvention, die die Spielregeln unseres Lebens bestimmt.’



’Wann immer im Werk von Ulrike Enders eine Hülle die Haut bedeckt, dann ist das weniger der ‘Mantel des Verschweigens’ als vielmehr das Aufspüren einer aussagekräftigen Alltäglichkeit. Und es ist die Auseinandersetzung mit dem ‘potemkinschen’ Zeitgenossen. Wie einst der russischen Zarin Katharina II. Kulissendörfer als glänzende Wirklichkeit von Gregor Alexandrowitsch Potemkin vorgespiegelt wurden, so versuchen sich viele Zeitgenossen in eine ‘glänzende Schale’ zu werfen. Die Künstlerin geißelt das nicht im Sinne eines George Grosz, sondern beschreibt es eher mit der Nachsichtigkeit eines Heinrich Zille oder Wilhelm Busch. Mit dem prägnanten Zeichner und eigenwilligen Maler Busch verbindet die Künstlerin viel. Da ist zum einen die charakterisierende Präzision in der figurativen Darstellung, dann die Liebe zum treffenden Detail und die Freude, sich verschiedenen Materialien und Stilformen auszusetzen.


...ich mag ihren Strich, der mich tatsächlich an den von Wilhelm Busch (oder [eigenartigerweise] auch von Horst Janssen) erinnert, deren Zeichnungen mich gleichermaßen ’berühren’. K


Ulrike Enders ist weniger eine Kommentatorin unserer Zeit als vielmehr eine Beobachterin. “Ich will keine Meinung äußern, nur anregen zur freien Assoziation“, stellt sie fest. Viele Dinge und Situationen fallen ihr auf, die Mosaiksteine unseres Welt- und Selbstbildes sind, und manches davon setzt sie um.’


Heinz Thiel, (hannoverscher) Publizist und Kunstkritiker




Ulrike Enders lebt seit 1972 gemeinsam mit ihrem Ehemann in Hannover.


Insgesamt stehen von ihr gegenwärtig 25 Plastiken und Figurengruppen im öffentlichen Raum, vorwiegend in Hannover, aber auch in Hamburg und anderen norddeutschen Städten wie Seelze (Region Hannover), Hameln, Dorsten, Bad Eilsen, Lingen, Celle, Bad Nenndorf, Bad Lauterberg und Uslar sowie in Inami (Japan).


In Anerkennung ihres hervorragenden Wirkens zum Wohle der Allgemeinheit wurde Ulrike Enders 2012 vom damaligen Oberbürgermeister Stephan Weil die Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover (Stadtplakette) verliehen.








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